Vorhaben-Nr. 2006-02
Grundhafter Ausbau der Weberstraße in Görlitz

Auftraggeber: Stadt Görlitz, Tiefbau- und Grünflächenamt
Hugo-Keller-Str. 14, 02826 Görlitz
Frau Ines Bunzel
Tel.: 03581-671823
Email: i.bunzel@goerlitz.de

Zeitraum: Planung: 2006 bis 2008
Bau: März bis August 2008

Auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses 342-95 „Verkehrskonzept Historische Altstadt“ erfolgen die Objektplanungen der einzelnen Straßenräume im Altstadtgebiet. Dazu gehört u. a. der nachfolgend beschriebene Straßenzug Weberstraße. Die Weberstraße stellt eine wichtige Zu- bzw. Abfahrt zum Untermarkt und somit zum Rathaus dar. Auf Grund räumlicher Enge kam es im Bereich der Weberstraße immer wieder zu verkehrlichen Konflikten.

Die Gestaltung sollte dem Charakter als wichtige Straße innerhalb der Altstadt Rechnung tragen und kulturhistorische Aspekte mit den aktuellen und perspektivischen Nutzungsansprüchen verbinden.

Hervorzuheben ist insbesondere der touristische Wert dieses Bereiches, welcher auf Grund der sehr gut erhaltenen Renaissancebebauung in seiner Art einmalig ist.

Zu DDR-Zeiten wurde die Oberfläche der Weberstraße immer wieder flickenweise mit bituminösen Decken unterschiedlichster Art überzogen. Nachfolgende Fotos veranschaulichen den Zustand der Straße bei Planungsbeginn:

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Im Zuge der Planung wurden folgende Schwerpunkte umgesetzt: Zum Schutz der Fußgänger, Bewohner und der anliegenden historischen Bebauung (Beschädigungen) vor dem fließenden Verkehr wurde in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde einer niveaugleichen Gestaltung des Querschnittes nicht zugestimmt. Die Fahrbahn wird durch Gehwege begrenzt. Die unterschiedlichen Breiten der Fahrbahn und Gehwege ergeben sich aus den Anforderungen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer und den vorhandenen baulichen Randbedingungen.

Zwischen Elisabethstraße und Bäckerstraße variiert die Gehwegbreite zwischen ca. 3,00 m vor Haus Nr. 9. 1,20 m und (vor Haus Nr. 4 und Haus Nr. 18) an der engsten Stelle. Die beidseitig 1,20 m breiten Gehwege entsprechen zwar noch nicht den Mindestanforderungen, sind aber punktuell vertretbar und mindern das Sicherheitsdefizit für die Fußgänger gegenüber dem Ist-Zustand deutlich. Durch den breiten Gehweg im Bereich der Häuser Nr. 9 und 10 wird den besonderen Portalen und Hauseingängen Rechnung getragen. Die Breite ermöglicht ein Verweilen und gleichzeitiges ungehindertes Vorbeigehen von Passanten.

Der im Bestand aufgeweitete Bereich zwischen Jakob-Böhme-Straße und Krischelstraße wird eingeengt. Die Fahrbahn verengt sich von 3,50 m auf 3,00 m Breite (Engstelle) bis zur Bäckerstraße. Die Einengung der Fahrbahn folgt dem Verlauf der Häuserfronten. In der Planungsphase Entwurfsplanung wurde durch Berechnung verschiedener Schleppkurven geklärt, auf welche Weise das Abbiegen von Müllfahrzeugen in Kreuzungs- und Einmündungsbereichen der Weberstraße mit den Nebenstraßen möglich ist. Es wurde die Erkenntnis gewonnen, dass der Einsatz eines zweiachsigen Müllfahrzeugs an allen Stellen möglich ist, ein Dreiachser jedoch hier möglichst nicht eingesetzt werden sollte. Beim Linksabbiegen eines zweiachsigen Müllfahrzeugs aus Richtung J.-Curie-Straße kommend in die Krischelstraße sowie aus der Krischelstraße in die Weberstraße muss eine Gehwegüberfahrung in Kauf genommen werden.

Ab der Bäckerstraße bis Untermarkt/Neißstraße ist die Fahrbahn 6,50 m breit. Davon gehen 2,00 m für das Längsparken auf der östlichen Fahrbahnseite ab, so dass für den fließenden Verkehr 4,50 m verbleiben. Eine bauliche Abtrennung der Stellplätze erfolgt nicht. Unter Hinweis auf das Verkehrskonzept wird das Parken über die „Dreiecke“ organisiert (vgl. Bestand). Die Gehwege sind jeweils 1,55 – 1,60 m breit.

Baumpflanzungen werden nicht vorgesehen, da dies eine Reduzierung der Stellflächen zur Folge hätte. Des Weiteren spielen Bäume in diesem Bereich städtebaulich keine Rolle. Sie haben als Einzelstandort keinen weiteren Bezug zur Umgebung bzw. finden keine Fortführung im weiteren Straßen- und Platzverlauf.

In der Entwurfsplanung wurde dieser Lageplan erstellt:

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Nach dem Rückbau der Altbefestigung erfolgten Tiefbauarbeiten für die Verlegung von Trinkwasserleitungen, Schmutz- und Regenwasserkanälen sowie Energieversorgungskabeln im Auftrag der Stadtwerke Görlitz AG. Es wurden Schachtbauwerke erneuert sowie Gasversorgungsleitungen umverlegt.:

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Die Straßenbauarbeiten begannen mit der Herstellung des Unterbaus und der Bordverlegung sowie des Aufbaus der Gehwege. Dabei wurde überwiegend Altmaterial aus dem Lagerbestand der Stadt Görlitz bzw. beim Rückbau der Altbefestigung gewonnene Bordsteine, Gehwegplatten aus Granit (Krustenplatten) sowie Basaltmosaikpflaster (in Beton verlegt) verwendet. Die Krustenplatten wurden in einem Betonwerk mittels Spezialverfahren mit Beton auf eine einheitliche Dicke aufgedoppelt, was Vorteile bei der Verlegetechnologie mittels Vakuumhaftgerät bringt:

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Nach Fertigstellung der Gehwege erfolgte der Aufbau der Fahrbahnbefestigung. Hierbei kam das für die Görlitzer Altstadt so typische Basaltwildpflaster zu Einsatz. Eine Besonderheit bildet die Ausbildung der Pflasterfugen mit einem Gemisch aus langfaserigem Splitt, Kalk und Lößlehm, sh. auch nachfolgender Leistungstext aus dem Leistungsverzeichnis:

Großpflasterdecke aus Steinen des AG herstellen.
Ausführung in Fahrbahn.
Steine und Verband: Großpflaster als Pflasterdecke nach ZTV-P StB 2000, aus Basalt, unregelmäßige Abmessung (Wildpflaster).
Vor Abgabe des Angebots ist das Pflaster auf dem Lagerplatz des AG zu begutachten.
Altpflaster ist unbedingt mit dem alten Kopf nach oben einzubauen.
Bettungsmaterial = Sandbettung 0/5.
Fugen: Füllung der Pflasterfläche aus Basaltwildpflaster satt mit trockenem Brechsand-Lehm-Kalk-Gemisch, einkehren und mit Gummischieber reinigen.
Mischungsverhältnis: 6:1:2
6 Teile Sand
1 Teil Lehm
2 Teile Kalk
Material:
Edelbrechsand 0/4
Lößlehmpulverkonzentrat LMP 25
Hydraulischer Kalk DIN 1060-HL5 (Trasskalk)
Herstellen des Gemisches im zentralen Mischverfahren (Mischanlage). Anschließend mit Schlauch nässen/einschlämmen.
Steine vom Lagerplatz des AG abholen. Steine auf- und abladen und vor dem Versetzen säubern.
Mittl. Länge des Förderweges über 2,5 bis 5 km.

Fotos von der Herstellung der Basaltwildpflasterbefestigung:

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Am 25. August erfolgte die feierliche Wiedereröffnung der Weberstraße und deren Freigabe für den Verkehr durch den Oberbürgermeister der Stadt Görlitz Joachim Paulick und den Amtsleiter des Tiefbau- und Grünflächenamtes Torsten Tschage:

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